Digitale Transformation bei Bayer: „Wir stehen vor einer Bio-Revolution“

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© Olivier le Moal / iStock

Bayer führt seine digitale Transformation fort. Im Interview mit Health Relations berichtet Krysia Sommers, Leiterin Unternehmenskommunikation Bayer Vital GmbH, Leverkusen, von neuen Forschungsfeldern und digitalen Geschäftsmodellen, die ausgebaut werden sollen.

In diesem Interview erfahren Sie:

  • welche Innovationen Bayer vorantreibt,
  • welche Rolle dabei die Digitalisierung spielt,
  • welche digitalen Geschäftsmodelle Bayer entwickelt,
  • an welchen konkreten Beispielen sich das festmachen lässt

Health Relations: Sie treiben mit medizinischen Innovationen Ihre Transformation voran. Welche sind das?
Krysia Sommers: Bayer investiert in großem Umfang in Bereiche, die an der Spitze der biomedizinischen und technologischen Revolution stehen. Dazu gehören sowohl aktuelle Produkteinführungen mit zwei potenziellen Blockbustern als auch das Entwicklungsportfolio der späten klinischen Phase mit mindestens einem weiteren möglichen Blockbuster.

Health Relations: An welchem Punkt der Transformation stehen Sie und in welche Richtung wollen Sie Bayer weiterentwickeln?
Krysia Sommers: Die Forschungs- und Entwicklungspipeline von Bayer wächst beständig weiter. Dabei baut das Unternehmen auf seinen bestehenden Kompetenzen wie beispielsweise seiner Expertise rund um niedermolekulare Verbindungen auf und weitet gleichzeitig seine Aktivitäten im Bereich der neuen Modalitäten, einschließlich Zell- und Gentherapien, aus. Wir treiben gegenwärtig rund 50 klinische Entwicklungsprojekte in verschiedenen potenziellen therapeutischen Modalitäten und Indikationen voran, wobei die Schwerpunkte in der Onkologie, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Frauengesundheit liegen.

Health Relations: Das ist ein ambitioniertes Unterfangen. Und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Krysia Sommers: Biologie, Life Sciences und der Megatrend Digitalisierung verschmelzen miteinander und werden medizinische Innovationen ermöglichen, die die Medizin in einem solchen Ausmaß beeinflussen werden, dass wir von einer Bio-Revolution sprechen.

Health Relations: Wie wollen Sie die durch die Digitalisierung angestoßenen Veränderungen nutzen?

Krysia Sommers, Leiterin Unternehmenskommunikation Bayer Vital GmbH, Leverkusen © Bayer

Krysia Sommers: In den letzten Jahren haben die Biowissenschaften und die Digitalisierung enormen Schwung erhalten. Bayer will das Potenzial durch die wachsende Konvergenz von biomedizinischer Wissenschaft und Technologie voll ausschöpfen, um Krankheiten besser zu behandeln oder potenziell zu heilen. Digitale Technologien werden die Prozesse in Forschung und Entwicklung weiter beschleunigen, sodass Medikamente noch schneller Patient:innen zur Verfügung stehen. Dabei setzt Bayer auf weltweite, strategische Allianzen.

Health Relations: Die Digitalisierung in der Medizin bringt große Umwälzungen in der Medizin mit sich. Können Sie ein konkretes Beispiel aus Ihrem Portfolio nennen?
Krysia Sommers: Ein konkretes Beispiel für die Digitalisierung in der Medizin ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Bildgebung. Bayer baut als einer der führenden Marktanbieter bei Kontrastmitteln und Injektoren derzeit die digitale Plattform für die Radiologie auf. Die Plattform hat Zugriff auf eine wachsende Zahl digitaler und auf Künstlicher Intelligenz basierenden Applikationen, um Arbeitsabläufe und oft komplexe Entscheidungsprozesse von Radiolog:innen und ihren Teams zu unterstützen. Der Grundgedanke der Plattform ist eine enge Verzahnung sämtlicher Schritte von der Diagnostik bis hin zur Therapie, welche radiologische Arbeitsabläufe vereinfacht und Radiolog:innen in ihren Entscheidungsprozessen bestmöglich unterstützt. Angesichts der Fülle an bereits entwickelten Anwendungsprogramme ist es aus unserer Sicht hierbei besonders wichtig, dass ein kuratierter Marktplatz entsteht. Der Grundgedanke ist ein App-Store für Radiolog:innen, mit qualitativ hochwertiger Anwendungssoftware (z.B.  Algorithmen), die von Bayer sowie strategischen Partnern stammen. Bayer bereitet aktuell die Markteinführung der Plattform vor. Das übergeordnete Ziel ist, das medizinische Fachpersonal zu unterstützen ­– von der Diagnose bis zur adäquaten Behandlung.

„Einen großen Fokus innerhalb digitaler Geschäftsmodelle legt Bayer auf die Bereiche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frauengesundheit und Onkologie.“

Health Relations: Wie sieht es mit der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle aus? Für Unternehmen ist das heute ein zentraler Bestandteil einer jeden Unternehmensstrategie. An welchem Punkt sind Sie da?
Krysia Sommers: Einen großen Fokus innerhalb digitaler Geschäftsmodelle legt Bayer auf die Bereiche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frauengesundheit und Onkologie. Seit 2019 arbeitet hierfür eine über den deutschen Markt hinausgehende globale Integrated Care Abteilung mit leistungsstarken externen Partnern zusammen. Das Ziel ist die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung innovativer Produkte und Dienstleistungen.

Health Relations: Haben Sie dazu ein Beispiel aus Deutschland?
Krysia Sommers: Ein Beispiel aus Deutschland ist der digitale Begleiter für Patient:innen (eine digitale Plattform Anm. d. Red.) namens „it’s my life.“ Zunächst ist die Anwendung eine maßgeschneiderte Lösung für das Management und die Schlaganfallprävention von Patient:innen mit Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, bei denen eine Ablation ansteht. Bayer kooperiert hierfür unter anderem mit dem Digital Health Pionier m.Doc, deren Smart Health Plattform das digitale Grundgerüst der Lösung darstellt. Im Vordergrund von „it’s my life“ steht der in Zusammenarbeit mit Kliniken und Patient:innen neu entwickelte digitale Therapiepfade. Dieser verfolgt einen integrierten Ansatz für Patient:innen, indem er aktuelle und wissenschaftlich validierte Erklärvideos, Ernährungs- und Gesundheitsmodule sowie nützliche Checklisten beinhaltet. Die Betreuung der zu behandelnden Person startet bereits Tage vor dem Eingriff und endet erst Monate nach der Behandlung. Ziel des digitalen Begleiters ist, das Schlaganfallrisiko von Erkrankten deutlich zu reduzieren und eine verbesserte Therapie-Adhärenz zu erreichen. Betroffenen Personen soll der Umgang mit ihrer Erkrankung durch den digitalen Begleiter im Alltag erleichtert werden.


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