Großkonzern Mars mischt Tiermedizin-Markt auf

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Nicolas Haas © AniCura
Nicolas Haas © AniCura

„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!“ – den Werbeslogan des Schokoriegelherstellers Mars kennt jeder. Dass der Konzern auch in der Tiermedizin aktiv ist, ist den wenigsten bekannt. Tatsächlich ist das Unternehmen einer der größten Besitzer von Tierarztpraxen und Tierkliniken mit tausenden Standorten.

Nun hat die Firma die Tierklinikkette AniCura übernommen und fasst damit auch auf dem deutschen Markt Fuß. Dabei ist Mars in Deutschland bei weitem kein Neuling in der Branche: Mit Marken wie Pedigree, Chappi oder Perfekt Fit ist Mars seit Langem eine Größe in der Tiernahrungssparte und produziert sogar in Deutschland. International, vor allem aber in den USA, ist das Unternehmen auch groß im Geschäft in der tierärztlichen Versorgung.

Wachstumsmarkt Europa

Für den Großkonzern war der Sprung über den Teich aus strategischer Sicht nur folgerichtig. Immerhin ist Europa, nach dem US-Markt, der größte Markt für die tierärztliche Versorgung von Haustieren. Durch den Zusammenschluss ergibt sich nun die Chance, sich als weltweit führendes Unternehmen auch in der tierärztlichen Versorgung global zu etablieren.

Mars Petcare sieht gerade in Europa gute Wachstumschancen: „Hier ist auch in Zukunft weiterhin mit einem attraktiven Marktwachstum zu rechnen. Denn Haustiere nehmen zunehmend den Stellenwert eines Familienmitglieds ein und entsprechend wichtig ist auch die tierärztliche Versorgung geworden“, sagt Nicolas Haas, Country Manager DACH bei AniCura, gegenüber Health Relations. Tierhalter sind inzwischen bereit, qualitativ hochwertige, oft spezialisierte Leistungen in Anspruch zu nehmen. Das hat natürlich seinen Preis, den die Tierbesitzer jedoch gerne zahlen.

„Haustiere nehmen zunehmend den Stellenwert eines Familienmitglieds ein, und entsprechend wichtig ist auch die tierärztliche Versorgung geworden“

Der Markt verändert sich

Der deutsche Markt ist stark fragmentiert. Große Ketten oder Unternehmen sind hier noch nicht die Regel. Das könnte sich mit dem Markteintritt von Mars Petcare ändern. „Innerhalb einer Gruppe von Kliniken und Praxen – wie beispielsweise AniCura – ergeben sich außergewöhnliche Möglichkeiten, Qualität und Kundenservice systematisch zu entwickeln, in Mitarbeiter, Ausstattung und Gebäude zu investieren, und branchenspezifische Herausforderungen zu lösen, die für einzelne Kliniken oder Praxen nur schwer adressierbar sind“, findet Haas. AniCura wird unter dem Dach von Mars Petcare als eigenständiges Unternehmen mit eigenständiger Marke weitergeführt.

Kritiker jedoch betrachten den deutschen Markteintritt von Mars mit Argwohn. Sie argumentieren, dass der Großkonzern eher auf seine Bilanzen denn auf das Tierwohl schauen könnte. Tierärzte, die in den Klinikketten angestellt sind, so die Sorge, hätten möglicherweise nicht mehr die volle Entscheidungsgewalt über die angemessene Therapie eines Tieres, sondern müssten Konzernvorgaben folgen.

Klinikketten als Zukunftsmodell

Natürlich ist AniCura anderer Ansicht. Die Firma betont, dass durch den Zusammenschluss in Ketten und den Rückhalt durch den Großkonzern Mars Petcare die firmeneigenen Kliniken und Praxen künftigen Herausforderungen des Marktes besser gewachsen seien. Darüber hinaus biete AniCura ein für Tierärzte attraktives Arbeitsmodell. „Tierärzte suchen zunehmend ein Angestelltenverhältnis, machen sich seltener selbstständig„, erklärt Haas und fährt fort: „Auch steigen die Erwartungen an die Attraktivität des Arbeitsplatzes, etwa die professionellen Entwicklungsmöglichkeiten, flexible und Teilzeitarbeitsmodelle, spannende Fälle.“

In Zukunft sei zu erwarten, dass sich Tierärzte, wie in vielen anderen Ländern auch, zunehmend spezialisieren. Außerdem werden künftig mehr Jobs für Nicht-Tierärzte in Kliniken und Praxen entstehen, wenn diese wichtige Expertise, etwa im Marketing oder der Personalentwicklung, mitbringen. Sollte diese Prognose eintreffen, wären diese vielfältigen Aufgaben schwer allein durch einen Tierarzt als Einzelunternehmer zu stemmen. Das könnte den Eintritt weiterer großer Konzerne in den Markt befördern. Insofern könnte die Übernahme von AniCura durch Mars einen Wendepunkt in der deutschen Marktstruktur der Tiermedizin markieren.

Nicolas Haas ist bei AniCura hauptverantwortlich Kliniken und Praxen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er arbeitet eng mit Klinik- wie Praxisleitern und dem tierärztlichen Personal zusammen.

Mars Petcare ist ein familiengeführtes Unternehmen mit über 75.000 Mitarbeitern in 50 Ländern. Seit über 80 Jahren widmet Mars einen wesentlichen Part der Versorgung von Haustieren und verfügt in einer wachsenden tiermedizinische Sparte über weltweit etwa 50.000 Mitarbeiter.

Das schwedische Unternehmen AniCura wurde 2011 vom Private-Equity-Unternehmen Fidelio Capital und der Stiftung des Stockholmer Tierkrankenhauses gegründet. In nur sieben Jahren wurde daraus ein Unternehmen mit über 4.000 Mitarbeitern, davon 1.200 Tierärzten, in etwa 200 Tierkliniken und Tierarztpraxen in sieben europäischen Ländern, darunter auch in Deutschland. Auf der deutschen Internetseite sind derzeit 30 Standorte verzeichnet.

 

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