Christiane von der Eltz, BERLIN-CHEMIE: „Heute wird unser Umfeld immer weniger berechenbar“

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Christiane von der Eltz, Vorstandsmitglied bei BERLIN-CHEMIE ©BERLIN-CHEMIE

Christiane von der Eltz ist neues Vorstandsmitglied bei BERLIN-CHEMIE. Im Interview berichtet sie, warum sie agiles Arbeiten als eine gute Methode ansieht, um einem sich ständig ändernden Pharmamarkt gerecht zu werden und welche Herausforderungen ihr Unternehmen künftig meistern muss.


In diesem Interview erfahren Sie:

Health Relations: Sie sind seit dem 1. Juni neues Vorstandsmitglied bei BERLIN-CHEMIE. Was war Ihre erste Handlung?

Christiane von der Eltz: Meine erste Handlung bestand darin, möglichst viele Kollegen und Mitarbeiter in Berlin und im Außendienst kennenzulernen, um das Unternehmen besser zu verstehen, aber auch umgekehrt möglichst vielen eine Chance zu geben, mich kennenzulernen. Dabei haben wir viele Kommunikationsformate genutzt und unter anderem auch für den Außendienst eine virtuelle Sprechstunde eingerichtet. Gemeinsam mit meinem Führungsteam haben wir unsere Vision und Strategie für die nächsten Jahre erstellt. Auch der Austausch mit dem Management und den Eigentümern unserer Konzernmutter in Florenz war ein wichtiger Schritt für mich, um die übergeordnete Strategie und die Menarini-Kultur besser zu verstehen.

„Wir müssen mit ständigen Veränderungen leben.“

Health Relations: Visionen und Strategien für das Unternehmen zu erstellen, ist natürlich sehr wichtig. Welche Themen liegen Ihnen hier besonders am Herzen?

Christiane von der Eltz: Mir liegt besonders am Herzen, ein modernes Umfeld zu schaffen, in dem die Kollegen gut arbeiten und sich entwickeln können, aber auch Freiraum für Kreativität besteht. In der heutigen Zeit wird unser Umfeld immer weniger berechenbar und wir müssen mit ständigen Veränderungen leben. Ich bin überzeugt davon, dass agile Arbeitsmethoden dabei helfen, mit diesen Veränderungen besser zurechtzukommen. Das gilt für jeden Einzelnen, aber auch für das gesamte Unternehmen und den wirtschaftlichen Erfolg. Persönlich habe ich in den letzten Jahren viel positive Erfahrung im Bereich agiles Arbeiten gesammelt. Mit agilen Methoden kann man auch in großen Unternehmen eine Wendigkeit erreichen, die man sonst eher bei Start-ups sieht. Man kann schneller auf Veränderungen von außen oder innen reagieren und auch Kundenbedürfnisse besser berücksichtigen. Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass das eine Stärke ist, die immer wichtiger wird.

Health Relations: Wo wir gerade beim Stichwort persönliche Erfahrungen sind. Wie wollen Sie BERLIN-CHEMIE Ihren persönlichen Stempel aufdrücken? Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Christiane von der Eltz: BERLIN-CHEMIE gehört zu den stärksten Firmen im Allgemeinarzt-Bereich in Deutschland. Wir haben viele Partnerschaften mit anderen pharmazeutischen Unternehmen, die hier unsere Stärke in diesem Bereich für ihre Produkte gewinnbringend einsetzen. Mir ist es wichtig, dass wir diese exzellente Position in der genannten Kundengruppe erhalten und hier weiterhin quantitativ und qualitativ herausragende Leistungen zeigen. Dabei sind nicht nur unsere persönlichen Kontakte im Außendienst und auf unseren zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen wichtig, sondern auch unsere verschiedenen digitalen Projekte. Gerade in einer Stadt wie Berlin, mit zahlreichen digitalen Start-ups bietet es sich geradezu an, vor der Haustüre nach neuen Ideen und Lösungen für Ärzte und Patienten zu suchen. So können wir heute schon bei unseren erklärungsbedürftigen Präparaten den Arzt mit unseren digitalen Tools gut unterstützen, die Patienten zu schulen und den Behandlungserfolg zu unterstützen. Hier werden wir auch in Zukunft weiter investieren.

„Die Herausforderungen sind derzeit größer als jemals zuvor.“

Health Relations: Digitale Tools sind ein Thema, das viele pharmazeutische Unternehmen in Zukunft beschäftigen wird. Wo sehen Sie für die Pharmabranche die größten kommenden Herausforderungen und wie kann die Branche diesen am besten begegnen?

Christiane von der Eltz: Die Herausforderungen sind derzeit größer als jemals zuvor. Wir kämpfen nach wie vor mit Problemen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, aber auch mit dem Fachkräftemangel. Im Zusammenhang mit der geopolitischen Lage sind wir besorgt über die hohe Abhängigkeit von russischem Gas und Öl und den damit verbundenen raschen Anstieg der Energiekosten oder die steigende Inflation. Bei all diesen Thematiken dürfen wir auch die ökologischen Herausforderungen nicht aus den Augen verlieren.

Health Relations: Das sind Probleme, die sich viel auf der übergeordneten Ebene abspielen. Gibt es auch Herausforderungen, die sich konkreter auf den Pharmamarkt beziehen?

Christiane von der Eltz: Ja, darüber hinaus kommt für die Pharmabranche das neue „GKV-Finanzstabilisierungsgesetz“. Darin ist ein weiteres Preismoratorium für Arzneimittel bis Ende 2026 vorgesehen. Für uns bedeutet das, dass wir als eine der wenigen Branchen die derzeit steigenden Energie-, Logistik- oder Lohnkosten nicht weitergeben können. Auch soll der Herstellerrabatt, den die Pharmahersteller den Krankenkassen einräumen, für eine Reihe von Medikamenten um 5 Prozent erhöht werden, was de facto einer Preiskürzung gleichkommt. Zusätzlich sind massive Einschränkungen bei der Preisfestlegung von neuen Arzneimitteln geplant. Dies wird sicher Auswirkungen auf die Einführung von innovativen Arzneimitteln in Deutschland sowie auf den Forschungsstandort Deutschland haben, aber auch die Verlagerung von Produktionen ins Ausland steht bei vielen Pharmaherstellern nun wieder auf der Agenda.

Health Relations: Digitalisierung haben Sie eben angesprochen. Ein anderer Trend, mit dem sich viele Pharmafirmen befassen, ist das Thema Nachhaltigkeit. Wie setzen Sie sich bei BERLIN-CHEMIE damit auseinander?

Christiane von der Eltz: Zum Thema Digitalisierung hatte ich oben schon etwas gesagt. Nachhaltigkeit ist natürlich ein wichtiges Thema für jeden einzelnen von uns und besonders auch für ein Unternehmen wie BERLIN-CHEMIE, das in Deutschland produziert. In den letzten Jahren wurden viele gute Konzepte in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt, die dazu beitragen, die CO₂-Emissionen, aber auch den Ressourcenverbrauch zu verringern. In unseren zwei Werken in Berlin nutzen wir zum Beispiel ausschließlich grünen Strom. Zudem haben wir Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz (Dämmung von Gebäuden, LED-Leuchtmittel) implementiert und in neue Maschinen investiert, die signifikant weniger Energie verbrauchen als entsprechende Altanlagen. Dabei ist uns auch die Zusammenarbeit mit den Berliner Universitäten wichtig, wo wir in unterschiedlichen Projekten und Initiativen gemeinsam am Thema Nachhaltigkeit arbeiten.

Ich fände es äußerst bedauerlich, wenn durch die oben genannten Herausforderungen dieser Innovationsschub aufgehalten werden würde und wir hier wieder um Jahre zurückgeworfen werden würden. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir bei BERLIN-CHEMIE mit unseren engagierten Mitarbeitern auch weiterhin die Herausforderungen meistern und für unsere Patienten und Kunden ein starker Partner im Gesundheitsbereich und ein attraktiver Arbeitgeber in Deutschland bleiben werden.

Freie Journalistin im Medizin- und Gesundheitsjournalismus. Für Health Relations berichtet sie über digitale Entwicklungen, Marketing und die neuesten Trends in der Pharmabranche.

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