Kliniken: Digitales Wissen wird zum Einstellungskriterium

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© sturti/istockphoto

Ob Arzt oder Azubi, Digitalisierungswissen ist künftig für Kliniken ein entscheidendes Einstellungskriterium. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Diese zeigt aber auch: Die meisten Kliniken hinken mit einer ganzheitlichen Digitalstrategie hinterher.

Für Kliniken ist es in Zukunft entscheidend, dass ihre Mitarbeiter Digitalwissen mitbringen. In einer Studie hat die Unternehmensberatung Rochus Mummert mehr als 350 Führungskräfte deutscher Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen befragt. Knapp jeder Zweite geht davon aus, dass Digitalisierungswissen künftig ein Einstellungskriterium für medizinische Mitarbeiter sein wird – noch wichtiger wird es für kaufmännische Mitarbeiter.

„Trotz zu erwartender Veränderungen spielt digitales Know-how in der medizinischen Ausbildung bislang eine untergeordnete Rolle“, sagt Oliver Heitz, Partner bei Rochus Mummert. Das heißt: Kenntnisse über IT und Digitalisierung müssen in die Ausbildungen von Ärzten und Pflegepersonal stärker einfließen – und auch das bestehende Personal muss auf die Veränderungen durch die digitale Transformation besser vorbereitet und durch Weiterbildung qualifiziert werden. Denn nur mit qualifizierten Mitarbeitern und Führungskräften ist der digitale Veränderungsprozess möglich.

Und bei dem stehen viele Kliniken noch am Anfang: Nur etwa jedes dritte Klinikum in Deutschland verfügt über eine ganzheitliche Digital-Strategie. „Das Bewusstsein für die Digitalisierung ist in der Gesundheitswirtschaft angekommen, allerdings werden vor allem Einzelprojekte erfolgreich umgesetzt“, zieht Oliver Heitz Bilanz. Um geeignete Kandidaten für offene Positionen zu finden, setzen Kliniken neben Print auf digitale Recruiting-Tools. Die meisten nutzen Online-Stellenbörsen und die eigene Karrierewebsite. Weit weniger verbreitet sind Posts oder Anzeigen in sozialen Medien sowie Mobile Recruiting.

Große Hoffnung auf elektronischer Patientenakte

Die Digitalisierung bringt Chancen für das Recruiting, aber auch für viele andere Bereiche im Klinikum: Den größten Nutzen erhoffen sich die Befragen von der Einführung der elektronischen Patientenakte (63 Prozent). Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, die elektronische Patientenakte für gesetzlich Versicherte bis zum Jahr 2021 einzuführen. Die Befragten gehen davon aus, dass durch die Digitalisierung die Qualität der Patientenversorgung steigt und Operationen und Untersuchungen effizienter durchgeführt werden. Auch hilft die Digitalisierung, den Krankenhäusern Kosten zu sparen und ihre Auslastung zu optimieren. An möglichen Einsatzgebieten mangelt es nicht: Interne Arbeitsprozesse könnten verbessert werden, aber auch das Einweisungs- und Entlassungsmanagment. Befunde werden schneller an den ambulanten Sektor übermittelt und die Warenwirtschaft wird effizienter vernetzt.

Es gibt sie, die Vorreiter der Digitalisierung

Auch wenn die Digitalisierung in einem Großteil der Kliniken noch schleppend läuft, gibt es vielversprechende Projekte. Das Uniklinikum Essen ist auf dem Weg zum „Smart Hospital“ und will alle Stationen des Behandlungsverlaufs disziplin- und standortübergreifend digital miteinander vernetzen. Wie aus dem Jahresbericht 2016  hervorgeht, gehören dazu die digitale Patientenakte, aber auch künstliche Intelligenzsysteme, die helfen, Krankheitsbilderbilder schneller und genauer zu diagnostizieren.

Roboter Zora hilft im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Roboter Zora © Uniklinikum Schleswig-Holstein

Mit der Digitalisierung treten auch immer häufiger Roboter  in Aktion, wie beispielsweise im Hamburger Albertinen-Krankenhaus, wo das Roboter-System da Vinci seit diesem Jahr als OP-Roboter im Einsatz ist. Ein „Spielkamerad“ für Kinder wiederum ist der humanoide Roboter Zora, den das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gerade testet. Die Studienteilnehmer sind überzeugt, dass Roboter vor allem in der Materialwirtschaft und Logistik und im OP zum Einsatz kommen werden. Von Pflegerobotern versprechen sich nur die wenigsten eine Entlastung.

Ärzte besser auf Digitalisierung vorbereiten

Dass die Digitalisierung der deutschen Kliniken trotz der vielen Chancen noch zögerlich verläuft, hat zwei Gründe: Finanzierungsprobleme und fehlendes Know-how bei Führungskräften und Mitarbeitern. Ein Großteil der Befragten erhofft sich für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten Fördermittel von Bund und Ländern. Nicht zu unterschätzen sind auch interne Widerstände, die sich aus der Arbeitsplatzveränderung ergeben. Umso wichtiger sind digitale Schulungen und Weiterqualifikationen für das Personal, meint Oliver Heitz: „Zum einen sollten Basiskenntnisse in IT und Digitalisierung Standard in der medizinischen und pflegerischen Ausbildung werden. Zum anderen sollte das medizinische und kaufmännische Personal besser auf die zunehmenden Veränderungen durch die Digitalisierung vorbereitet werden.“

Oliver Heitz

Oliver Heitz ist Partner bei der 2007 gegründeten Personalberatung Rochus Mummert Helthcare Consulting GmbH mit Sitz in München. Die Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft – Herausforderungen und Chancen deutscher Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen“ hat das Unternehmen zum dritten Mal veröffentlicht.

 

 

Beitragsfoto: © sturti/istockphoto

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