So verändert sich der Gesundheitsmarkt

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© Büttner

Der Gesundheitsmarkt wird in Zukunft stark wachsen, immer digitaler und Patienten-zentrierter werden und zu einschneidenden Veränderungen der Gesundheitsversorgung führen. Das sagen zwei aktuelle Studien.

Die Strategieberatung Roland Berger postuliert in ihrer Untersuchung „Future of health 3 – Neuer Schub für Innovation“, dass die COVID-19-Pandemie in zwei Bereichen zu einem Schub in Sachen Innovationen geführt hat. Einerseits seien diese „physischer“ Art, wie etwa die Entwicklung von Impfstoffen, andererseits gebe es digitale Entwicklungen, wie etwa DiGA, die immer stärker zusammenwachsen und verschmelzen, heißt es in der Studie. Die durch die Kombination entstehenden Möglichkeiten wirken als Innovationsbeschleuniger, die auch zu einem wachsenden finanziellen Markt führen.

Für die Untersuchung hatte Roland Berger 400 internationale Expert:innen aus der Pharmabranche und Medizintechnik befragt. Die gaben an, dass ihrer Meinung nach, bis zum Jahr 2026 zwölf Prozent der Ausgaben im Gesundheitswesen für digitale Produkte und Dienstleistungen ausgegeben werden.

Bei der Frage, welche Technologien für die Gesundheitsbranche künftig besonders wichtig werden, waren sich die Befragten sicher, dass die IT vor allem für die Prävention, Früherkennung, Therapieauswahl und Überwachung von besonderer Bedeutung sein wird. Mehr als die Hälfte ist außerdem überzeugt, dass Künstliche Intelligenz den Gesundheitsmarkt am stärksten verändern wird, gefolgt von Sensoren für kontinuierliches Monitoring, Zell- und Gentherapien sowie individuelle digitale Coaching-Modelle für chronisch erkrankte Patienten.

Die Digitalisierung führt unzweifelhaft zu tiefgreifenden Umwälzungen auf dem Gesundheitsmarkt und auch in der -versorgung. Die Deloitte-Studie „Life Sciences & Health Care Predictions 2025“ hat sich ebenfalls damit befasst und fünf wichtige Trends ausgemacht.

1. Paradigmenwechsel in der Medizin

Neue Therapieformen und Innovationen in der Diagnostik haben völlig neue Arten der Datengewinnung und -verarbeitung zur Folge. Diese werden laut Studie zu zentralen Treibern des transformativen Wandels im Gesundheitswesen. Diese Entwicklung geht hin zu der sogenannten „4P-Medizin“ (predictive, preventative, personalized, participatory). Modernde Technologien wie z.B. digitale Therapien, KI-Auswertung diagnostischer Daten mit entsprechenden Tools zur Entscheidungsunterstützung oder innovatives Patienten-Monitoring (Remote Patient Monitoring, RPM) machen das möglich. Besonders die Einführung der elektronischen Patientenakte seit dem 1.1.2021 wirkt in Deutschland als ein Breaking Point. Die strukturierte Zusammenführung medizinischer und gesundheitsbezogener Daten aus verschiedenen Quellen ermöglicht völlig neue Einsichten, die Installation hochgradig personalisierte Therapieansätze und die Schaffung von mehr Transparenz für die Patienten.

2. Patienten-zentriertes Gesundheitswesen

In Zukunft wird sich das Gesundheitswesen ändern und sich an Patienten anpassen: an ihren Aufenthaltsort und ihre zeitlichen Vorgaben. Per Sensoren können kontinuierlich Gesundheitsdaten erhoben werden, Therapien sind hyperpersonalisiert und Telemedizin ist breit eingeführt. Durch die Pandemie ist die Bereitschaft in der Bevölkerung stark gestiegen, eigene Daten zur Verfügung zu stellen und Dienste der digitalen Medizin zu nutzen.

3. Vernetzte MedTech-Geräte

Medizinische Geräte werden immer vernetzter. Versehen mit Chips und smarten Sensoren werden sie über das Internet of Medical Things (IoMT)  verbunden. Das bedeutet für die Hersteller einen Wandel ihrer Funktion vom Hardware-Erzeuger zum Software-Produzenten. Die Geräte stellen Verbindungen zur elektronischen Patientenakte, übermitteln und überwachen Vitalparameter in Echtzeit und beweisen dabei eine erhöhte Messgenauigkeit und Unterstützung von Workflows. Das trägt zur Verbesserung der Versorgungsqualität bei und hilft, Kosten zu sparen.

4. Das Digital Health Care Supply Network

Auch die medizinischen Lieferketten werden im Jahr 2025 anders aussehen. Digitale Innovationen schaffen mehr Transparenz und Effizienz. Der bisherige lineare Ablauf ist überholt, vielmehr herrscht eine datengetriebene, dynamische und flexible End-to-End-Logik. Die Grundlage dieses Digital Supply Networks (DNS) sind Schlüsseltechnologien wie Internet of Things (IoT), Blockchain und KI, die u.a. Realtime-Datenverarbeitung und -Entscheidungen ermöglichen. Advanced Analytics tragen zur Senkung von Kosten durch Nachfrageprognosen, intelligentes Lagermanagement, optimierte Logistik und Beschaffung und bessere Workforce-Planung bei.

5. Partnerschafts-Cluster und Kollaborationen: Gemeinsam mehr erreichen

Kollaborationen werde immer wichtiger. Laut der Untersuchung werden 2025 sie maßgeblich dazu beitragen, Fortschritt im Bereich Health Care voranzubringen. In Organisationsformen wie Centers of Excellence (CoE) oder Forschungsnetzwerken werden Akteure aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und wirtschaftlichen Sektoren zusammengebracht, wobei die Partnerschaften die bisherigen Grenzen von staatlichen und privaten Institutionen wie Universitäten, Gesundheitseinrichtungen und Unternehmen überschreiten.

Für diese Kollaborationen wird es neue Finanzierungsmodelle geben und sie werden von Regierungen bzw. Regulatoren unterstützt. Darüber hinaus rechnen die Deloitte-Experten damit, dass die digitale Transformation, offene Plattformen und neu etablierte Standards für den Datenaustausch die Entwicklung und Verbreitung neuer Technologien weiter fördern und die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern.

Über die Illustratorin
Die Illustration dieses Artikels stammt von Kathe Büttner, Grafic Recorderin und Gründerin von fromdusttilldrawn in Offenbach, die sich auf visuelle Gestaltungen für die Gesundheitsbranche spezialisiert hat.

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