„Jede Woche schenken uns die Zuhörer eine Stunde ihrer Zeit“

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Dental-Podcast
Geschäftsführer Christian Brendel bei der Produktion des Podcasts "Aufgebohrt" © solvi GmbH

Podcasts werden immer beliebter – auch bei Zahnärzten. Doch was macht einen erfolgreichen Dental-Podcast aus? Und wie werblich darf er sein? Health Relations sprach dazu mit Christian Brendel, Geschäftsführer des Dentalsoftware- und Beratungsunternehmens solvi GmbH.

Seit April produziert die solvi GmbH, ein Familienunternehmen im hessischen Waldems, zusammen mit der ControlMED Knoll & Ferger GbR wöchentlich den Dental-Podcast „Aufgebohrt“. Im Vordergrund steht die unterhaltsame und informative Darstellung unternehmerischer Themen der Dentalwelt, wie betriebswirtschaftliche Praxisführung, Dokumentation und Abrechnung oder organisatorische und administrative Praxisprozesse. Auch aktuelle Themen finden hier ihren Platz: So befasst sich Folge 23 mit Lehren aus der 1. Corona-Welle.

„Themen rund um die Praxisführung gehören nicht zum Kern des zahnärztlichen Handelns. Wir nutzen die hohe Zugänglichkeit des Mediums Podcast, um damit bei unseren Zuhörern durchzudringen“, sagt Christian Brendel. Er ist seit Jahren begeisterter Podcast-Hörer, so entstand nach und nach der Wunsch, einen eigenen Podcast auf den Markt zu bringen. Langweilig durfte der Name nicht sein, er sollte „hängenbleiben“. So wie „Aufgebohrt“. Das passt thematisch zur Zielgruppe und soll zugleich ausdrücken, dass es sich um einen Podcast handelt, der den Dingen auf den Grund geht und  sich nicht mit dem äußerlichen Anschein begnügt.

Dentale Podcasts

Hohe Informationstiefe, geringe Rentabilität

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© solvi

Die Informationstiefe ist bei einer Länge von 40-75 Minuten pro Folge deutlich tiefer als in den meisten Printmedien.  Das Digitalangebot findet nicht nur bei Zahnärzten Anklang, auch Hörer aus den Bereichen Dentalindustrie, dentale Softwareanbieter und Berater sowie Banken und Abrechnungsgesellschaften zählen zu den Abonnenten. Mehrheitlich sind es also berufliche Nutzer, die zuhören.  Jede Woche erreicht der Podcast schon jetzt einige hundert Zuhörer. In Summe kommt der „Aufgebohrt“-Podcast mit den bisher 28 gesendeten Folgen daher schon auf knapp 10.000 gehörte Stunden.  „Für uns sind das beeindruckende Zahlen, weil uns diese Zuhörer, vereinfacht gesagt, jede Woche eine Stunde ihrer Zeit schenken.“

Die meisten ZuhörerInnen sind zwischen 25 und 45 Jahren alt und nutzen das Angebot über Podcast-Player wie Apple Podcasts oder Overcast und über Streaming-Dienste wie  Spotify, Deezer oder Amazon Podcasts.  Nur rund 20 Prozent der User hören „Aufgebohrt“ aufgrund von Social-Media-Beiträgen oder über die Unternehmenswebsite.  Zahlen, die für eine  hohe Zielgruppenbindung sprechen.

Was zeichnet einen guten Dental-Podcast aus?

Ein gut gemachter Podcast überzeugt mit relevanten Inhalten und hat einen Wiedererkennungseffekt. Sei es durch die Persönlichkeit des Interviewers, sei es durch interessante Gäste. Das ist im Dentalmarkt nicht anders als in anderen Branchen: Ein Podcast steht und fällt mit seinen Protagonisten und dem Thema, das idealerweise spitz formuliert ist und eine klar umrissene Zielgruppe anspricht (Health Relations: „Ein guter Podcast macht Hörer glücklich“). Gerade wenn ein Podcast eine Nische besetzt, läuft er nicht Gefahr, mit den vielen bereits vorhandenen Podcasts zum selben Thema konkurrieren zu müssen. Wichtig ist auch, regelmäßig neue Beiträge zu veröffentlichen.

Stark werblich sollte ein Angebot dabei nicht sein. So legt auch Christian Brendel legt den Fokus des Podcasts nicht auf die Bewerbung eigener Produkte und Leistungen. „Das steht für uns absolut im Hintergrund. Es klingt vielleicht etwas kitschig, aber für uns ist die Wissensvermittlung und die Begeisterung für das Thema das primäre Motiv für den Podcast.“ Wenn es sich thematisch anbietet, nehmen einzelne Folgen Bezug auf eigene Angebote, „unsere Hörer empfinden dies aber bisher nicht als werblich oder gar störend.“

Interaktion und Feedback zahlen sich aus

Podcasting dürfte für die meisten Unternehmen, auch bei größerer Reichweite, unrentabel bleiben. „Rein wirtschaftlich ist der Aufwand für Vorbereitung, Aufnahme, Produktion, Schnitt und Veröffentlichung nicht zu rechtfertigen. Wir tun es aber eben aus Überzeugung. Weil es uns Spaß macht.“ Doch ergeben sich Optionen, die sich vielleicht nur mittelbar monetarisieren lassen, die aber dennoch auf die Unternehmensmarke einzahlen. Zielgruppenbindung ist der eine Pluspunkt, die Möglichkeit, Insights durch Interaktion mit den Hörern zu erhalten, der zweite große Gewinn. Wer das Feedback seiner Zuhörer ernst nimmt, auf Rückmeldungen, Fragen und Themenwünsche eingeht, merkt, wo Unterstützungs- und Beratungsbedarf herrscht. Und genau dort können Dentalunternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen ansetzen.


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ist Online-Volontärin im Deutschen Ärzteverlag. Sie schreibt für die zahnmedizinischen und medizinischen Webportale und die Social-Media-Kanäle.

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1 KOMMENTAR

  1. Spannende Entwicklung und spannender Artikel.

    Das Thema Podcast war aus meiner Sicht ein Geheimtipp in 2020 und wird sich 2021 weiter etablieren im Dental-Markt.

    Gibt es nähere Daten über Reichweite und Abonnenten der genannten Podcasts?

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