Roche: Warum Daten für eine personalisierte Medizin wichtig sind

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© denisismagilov / Adobe Stock
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Wenn die Medikation individueller werden soll, braucht man so viele Daten wie möglich. Wie sie den Datenstandort Deutschland bewertet, sagt Dr. Susanne Schach, Bereichsleiterin Real World Data bei Roche.

Health Relations: Frau Dr. Schach, Real World Data (RWD) heißt übersetzt Daten aus der realen Welt. Um welche Art von Daten handelt es sich hier?

Dr. Susanne Schach, Roche
Dr. Susanne Schach, Bereichsleiterin Real World Data bei Roche in Grenzach-Wyhlen. © Privat

Dr. Susanne Schach: Bei Real World Data handelt es sich um Daten, die in der klinischen Routine anfallen, das heißt außerhalb von klinischen Studien. Das ist der prinzipielle Unterschied. Diese Daten können aus vielfältigen Quellen stammen: So werden RWD beispielsweise in Registern generiert, also Datenbanken, in denen Informationen aus der täglichen Behandlungspraxis eingepflegt werden.  Real World Data können außerdem von der Krankenkasse kommen, aus nicht-interventionellen Studien oder aus elektronischen Patientenakten. Auch Digital Devices, zum Beispiel Wearables, nehmen Real World Data auf.

„Eine personalisierte Gesundheitsversorgung wird ohne enge Vernetzung von Daten aus Versorgung und Forschung nicht möglich sein.“

Health Relations: Sie leiten in Grenzach-Wyhlen den Bereich für Real World Data. Wie hat sich die Abteilung in den letzten Jahren entwickelt? Ist sie stark gewachsen?

Dr. Susanne Schach: Meine Funktion wurde 2017 etabliert, weil dieses Thema immer wichtiger wird. Wir haben schon früher mit Real World Data gearbeitet, aber durch die Digitalisierung stehen potenziell immer mehr Daten in immer besserer Qualität zur Verfügung. Eine wirklich personalisierte Gesundheitsversorgung wird ohne enge Vernetzung von Daten aus Versorgung und Forschung nicht möglich sein. Wenn uns diese Vernetzung jedoch gelingt, können wir eine Wissen generierende Versorgung etablieren, in der wir mit jeder Behandlung heute für morgen dazulernen.

Health Relations: Real World Datas, also Daten aus der Versorgung, sind auch deshalb so interessant, weil sie die Medizin personalisieren. Daten gibt es in Deutschland allerdings nicht ohne Weiteres. Wenn gilt es auf Versorgungsebene in erster Linie zu überzeugen, die Ärzte oder die Patienten?

Dr. Susanne Schach: Die Patienten sind meistens bereit, ihre Daten zu teilen, da sie damit den medizinischen Fortschritt unterstützen können. Voraussetzung ist selbstverständlich Transparenz.  Bei den Ärzten kommt es darauf an. Gerade in den Forschungszentren ist es schwieriger, weil Ärzte verständlicherweise selbst publizieren möchten. Hier gilt es auch neue Wege finden, mehr Ärzte von einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit zu überzeugen.

Was ist personalisierte Medizin?

Health Relations: Der regulatorische Rahmen für die digitale Datenweitergabe wird in Deutschland mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) gerade gelockert. Zum Vergleich: In Nevada läuft derzeit das Healthy Nevada Project bei dem alle Bürger des Bundesstaats einen genetischen Test machen können, um sich auf Gesundheitsrisiken checken zu lassen. Hinken wir den USA beim Thema Datenverarbeitung hinterher?

Dr. Susanne Schach: Die Frage ist: Ist die USA das Vorbild? Datenschutz ist ja auch ein hohes Gut und sehr wichtig. Ich glaube schon, dass wir hier Wege finden, um die fragmentierten Daten zusammenzuführen. Da reicht aber ein Blick nach Dänemark. Dort ist die Analyse von Real World Data viel weiter fortgeschritten als hier – dabei hat Dänemark die gleiche Datenschutzgrundverordnung wie wir in Deutschland. Trotzdem erreicht man dort ganz andere Fortschritte in Hinblick auf die Datenanalyse.

„Wir haben fünfzehn verschiedene Datenschutzgesetze und dann sind die krankenhausspezifischen Datenschutzgesetze nochmal anders.“

Health Relations: Und trotzdem sind wir jetzt erst dabei mit der Gematik eine medizinische Datenautobahn zu bauen, die es dort schon gibt.

Dr. Susanne Schach: Die Mühlen im deutschen Gesundheitssystem mahlen oft eben sehr langsam. Ich glaube auch hier ist der Föderalismus ungut. Wir haben sechzehn verschiedene Datenschutzgesetze und dann sind die krankenhausspezifischen Datenschutzgesetze nochmal anders. Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren einen Riesenschritt weiter sind. Aber man ist nicht immer optimistisch, wenn man sich anschaut, wie viel Macht Bedenkenträger bekommen.


Dr. Susanne Schach leitet bei der Roche Pharma AG im südbadischen Grenzach-Wyhlen seit März 2017 den Bereich für Real World Data. Davor war die promovierte Biologin in verschiedenen anderen Abteilungen des Unternehmens tätig.

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