„Die Krise hat uns gezeigt, dass digitale Kanäle immer wichtiger werden“

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Michael Bollessen, Produktgruppenleiter Marketing Diabetes, BERLIN-CHEMIE AG
Michael Bollessen, Produktgruppenleiter Marketing Diabetes, BERLIN-CHEMIE AG, ©Berlin-Chemie AG, Foto: Daniel Deckbar

Manchmal braucht es Krisen, damit notwendige Veränderungen passieren können. Michael Bollessen, Produktgruppenleiter Marketing Diabetes, BERLIN-CHEMIE AG, erklärt, warum die Diabetologie immer digitaler wird und welche Auswirkungen das auf die Kommunikationsstrategien seines Unternehmens hat.

Health Relations: Herr Bollessen, mit dem bytes4diabetes-Award bringen Sie sich aktiv in die Förderung innovativer Diabetes-Lösungen ein. Sehen Sie sich als Pharmaunternehmen dahingehend in der Verantwortung?

Michael Bollessen: In erster Linie sind wir natürlich ein pharmazeutisches Unternehmen und sehen uns der Entwicklung und dem Vertrieb von Arzneimittelinnovationen verpflichtet. Dabei legen wir größten Wert auf die fundierte Ausbildung sowie auf die Qualität der Arbeit des wissenschaftlichen Außendienstes. Dadurch genießt die BERLIN-CHEMIE AG im Gesundheitswesen bei Allgemein- und Fachärzten ein hohes Ansehen. Das ist aber nur ein Teil unseres Erfolges, denn wir sehen uns auch als Partner des Arztes. Wir wollen verstehen, wo es mögliche Hindernisse für die Umsetzung optimaler Therapiestrategien gibt und dann gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungen erarbeiten.

„Ärzte nutzen jetzt verstärkt digitale Kanäle, und zwar auf allen Ebenen: um zu kommunizieren, um sich zu informieren, um sich fortzubilden.“

Health Relations: Wie sehen diese Lösungen aus?

Michael Bollessen: Wir haben mit den Jahren unsere Angebote in den Bereichen Fortbildung, Schulung und Digitalisierung im Diabetesbereich konsequent ausgebaut. Wir sehen, dass in der Digitalisierung große Chancen für die Diabetologie liegen. In diesem Sinne finden wir es wichtig und richtig, Verantwortung zu übernehmen und innovative Prozesse in diese Richtung anzustoßen und auch digitale Lösungen anzubieten. Mit TheraKey waren wir die ersten in Deutschland, die ein digitales Patientenbegleitprogramm anbieten. Und die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate geben uns recht, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, richtig war. Wir sind stolz darauf, dass wir mit dem bytes4diabetes-Award einen Beitrag dazu leisten, digitale Lösungen für die Diabetologie zu fördern und auch die kreativen Köpfe, die dahinterstehen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Förderung, sondern um Vernetzung, Kontakte und Austausch. Wir wissen, nicht alle, aber doch sehr viele Probleme in der Diabetologie könnten in Zukunft durch digitale Strategien besser gelöst werden.

bytes4diabetes-Award
Der bytes4diabetes-Award ist eine Auszeichnung, mit der BERLIN-CHEMIE AG innovative digitale Lösungen in der Diabetologie auszeichnet. Dabei werden Projekte, Produkte oder Systeme prämiert, die dabei helfen, die Versorgung von Menschen mit Diabetes und deren Angehörige in Deutschland zu verbessern. Der Award wird jährlich  mit Preisen im Wert von insgesamt 25.000 EUR vergeben. In diesem Jahr erhielten die Entwickler der App SNAQ die Auszeichnung, mit der man  den Teller fotografieren kann und sofort den Nährwert der Mahlzeit angezeigt bekommt. Die Smartphone-App soll u.a. den Alltag von Menschen mit Diabetes erleichtern.

Health Relations: Wie beeinflusst die Digitalisierung Ihren Geschäftsbereich?

Michael Bollessen: Gerade die Diabetologie als sogenannte „Data Driven Disease“ kann enorm von der Digitalisierung profitieren. Das sahen auch die Diabetologen schon vor Corona so: 80 Prozent waren im vergangenen Jahr bereits davon überzeugt, dass zum Beispiel Systeme zur automatischen Glukosesteuerung (Closed-Loop-, AID-Systeme) zu den wichtigsten Zukunftstechnologien in der Diabetologie gehören, wie im aktuellen D.U.T-Report 2020 nachzulesen ist. Auch die Patienten erhoffen sich mehr Selbstbestimmung durch digitale Lösungen. Mehr als drei Viertel der für den D.U.T-Report 2020 befragten Patienten sind überzeugt, dass digitale Lösungen sie bei wichtigen Therapieentscheidungen unterstützen können. Das ist auch für uns ein klarer Auftrag für die Zukunft und bedeutet, unsere Aktivitäten im Hinblick auf die Weiterentwicklung unserer bestehenden digitalen Angebote und im Hinblick auf die Entwicklung neuer digitaler Angebote weiter auszubauen.

Der D.U.T-Report
Der „Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2020“ informiert über neueste Entwicklungen mit aktuellen Zahlen, Trends und Einschätzungen. Kern des D.U.T-Reports ist eine bundesweite Befragung, die jährlich durchgeführt wird. Bereits zum zweiten Mal erscheint der Report in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsboard Digitalisierung, dem Verlag Kirchheim und der BERLIN-CHEMIE AG. Im Zukunftsboard Digitalisierung  sind neun Experten aus unterschiedlichen Bereichen vertreten – Ärzte, ein Psychologe, Vertreter einer Krankenkasse und eine Patientin. Sie treffen sich regelmäßig und stoßen neue Projekte an.

Health Relations: Die aktuelle Corona-Krise zeigt, dass es für Unternehmen wichtiger denn je ist, Ärzten valide Informationen anzubieten, die einen Mehrwert schaffen. Welche Kommunikationskanäle sind wichtiger geworden?

Michael Bollessen: Die Krise hat uns gezeigt, dass andere Kanäle als bisher immer wichtiger werden. Ärzte nutzen jetzt verstärkt digitale Kanäle, und zwar auf allen Ebenen: um zu kommunizieren, um sich zu informieren, um sich fortzubilden. Aber auch die Arbeit in ihrer täglichen Praxis verändert sich gerade rasant. Dinge, die lange infrage gestellt wurden, funktionieren auf einmal.

Health Relations: Wie richten Sie Ihre Kommunikation auf die neuen

Es gibt derzeit einen riesigen Informationsbedarf. Deshalb bieten wir mit unserem neuen Informationskanal DiaChannel-Newsletter Diabetologen und DiabetesberaterInnen per Mail praktische Tipps und viele aktuelle Informationen rund um das Thema Digitalisierung. Der DiaChannel ist damit eine wertvolle Ergänzung zum Gespräch mit dem Außendienst.

Health Relations: Siesagten eben, dass nun manches funktioniert, das zuvor infrage gestellt wurde. Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Michael Bollessen: Telemedizinische Angebote werden zum Beispiel immer stärker nachgefragt. Wir sind sicher, dass sich auch diesbezüglich die Rahmenbedingungen schneller als geplant ändern werden. Wir befinden uns mitten in einem spannenden Prozess, den wir als Unternehmen aktiv begleiten wollen.

„Die Corona-Krise ist so etwas wie ein Katalysator für die Digitalisierung geworden“

Health Relations: Ja, die Telemedizin hat in den letzten Wochen einen Schub erfahren, aber was davon ist eher ein momentaner „Hype“ und was wird bleiben?

Michael Bollessen: Wir können zwar nicht in die Zukunft sehen, aber die Diabetologie wird mit Sicherheit digitaler werden. Durchsetzen werden sich vor allem Tools, deren Nutzen für die Anwender direkt erkennbar ist. Nehmen Sie das Beispiel Videosprechstunde: Gerade in der Routineversorgung bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes kann die Videosprechstunde für Ärzte wie Patienten Erleichterung bringen. Ohne Corona jedoch hätten viele diese Erfahrung nicht oder zumindest nicht so rasch gemacht. Dieser „Schub“ ist aber manchmal notwendig, damit man neue Wege geht und erlebbar wird, welche Vorteile digitale Lösungen bringen können. Auch, wenn uns ein anderer Anlass dafür lieber gewesen wäre. Insofern war und ist die Corona-Pandemie auch eine Chance für die digitale Transformation. Wir sind gespannt, wie die Entwicklung weitergeht und wie die diabetologische Praxis der Zukunft aussehen wird. Diese Frage wird die Experten des Zukunftsboards Digitalisierung in den kommenden Monaten beschäftigen, denn sie ist das Fokusthema des nächsten Digitalisierungs- und Technologiereports Diabetes (D.U.T). Zu Ihrer Frage, was Hype ist und was bleiben wird ­ da sind wir sehr gespannt auf die Ergebnisse der Befragung bei Diabetologen und Diabetesberaterinnen.

Health Relations: Brauchte es also manchmal eine Krise, um Entwicklungen voranzubringen?

Michael Bollessen: Jede Krise ist auch immer eine Chance. Die Corona-Krise ist so etwas wie ein Katalysator für die Digitalisierung geworden. Die Einstellung zur Digitalisierung hat sich bei vielen dadurch verändert. Deshalb wird auch langfristig das Bedürfnis nach Information zu diesem sich äußerst dynamisch entwickelnden Thema anhalten. Der DiaChannel wird daher ein wichtiger Informationskanal zu den Ärzten bleiben. Langfristig haben wir geplant, dieses Informations- und Serviceangebot auch auf andere Bereiche wie unsere Schulungs- und Fortbildungsangebote auszuweiten. Darüber hinaus werden wir unser Angebot im Bereich Fortbildung und Schulung digitalisieren. Mit der DiaLecT-Fortbildung Anfang Juli werden wir unseren Partnern erstmals digitaler Wissenstransfer durch Online-Live-Events ermöglichen. Gemeinsam mit den Experten unserer Initiative, dem Zukunftsboard Digitalisierung wollen und werden wir Digitalisierung mit unseren Projekten weiter fördern und vorantreiben. Sicher ist auch, dass der Stellenwert der digitalen Therapiebegleitung weiter steigen wird. Hier werden wir noch in diesem Jahr mit der Weiterentwicklung des TheraKey 2.0 in den Markt gehen.

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