Graphic Recording und Visual Facilitation im Pharmamarketing

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Graphic Recording und Visual Facilitation im Pharmamarketing
© Illustration: fromdusttilldrawn; © Hintergrundbild: peshkova / adobe Stock)

Graphic Recording, Sketchnote oder Visual Facilitation sind im Pharmamarketing bereits vielerorts im Einsatz. An welchen Stellen können Unternehmen diese Visualisierungstechniken effizient einsetzen? Was sind die Vorteile? Und worauf sollten Pharmaunternehmen achten?

In diesem Artikel lesen Sie:
• Wie sich Graphic Recording, Visual Facilitation und Sketchnote unterscheiden
Wo Graphic Recording in der Pharmabranche eingesetzt wird
Warum viele Pharmaunternehmen Visualisierungsmethoden nutzen
• Welche Vorteile es gibt – kurz und knapp auf einen Blick
Worauf Pharmaunternehmen beim Einsatz von Graphic Recording achten sollten

Graphic Recording, Visual Facilitation und Sketchnotes sind beliebte Prozessbegleiter – auch in der Pharmabranche. Sie kommen meist auf internen oder externen Veranstaltungen oder Meetings zum Einsatz. Im Kern geht es darum, medizinische Inhalte in Bilder zu übersetzen und Gesagtes visuell festzuhalten. Ziel dabei ist es, einen Prozess in Echtzeit grafisch zu begleiten. Während Sketchnotes überwiegend als Gedankenstütze zum persönlichen Gebrauch – in Form visueller Mitschriften – gedacht sind, richten sich Graphic Recording und Visual Facilitation an ein Publikum. Aber auch hier gibt es Unterschiede.

Unterschiede: Graphic Recording, Sketchnote und Visual Facilitation
Sketchnote: Ursprünglich geht es hierbei um das visuelle Mitschreiben persönlicher Notizen auf einem kleinen Format. Als Gedankenstütze oder für einen besseren Überblick. Das heißt: Es geht um private Mitschriften in Bildform. Diese dienen meist der persönlichen Nutzung. Inhalte werden dabei als Skizzen dargestellt. Häufig verwenden die Sketchnoter auch verschiedene Schrifttypen, Farben oder andere grafische Elemente.
Graphic Recording: Auch hier geht es um das visuelle Festhalten von Informationen in Echtzeit. Aber: Im Gegensatz zu Sketchnotes dokumentiert ein Graphic Recording Inhalte auf großformatigen Hintergründen oder digital – sichtbar für ein Publikum.
Visual Facilitation: Bei dieser Visualisierungsmethode steht der Dialog mit dem Publikum im Fokus. Der Visual Facilitator ist Teil der Entwicklung. Er oder sie bringt sich aktiv in den Prozess ein. Dabei geht es darum, den Prozess sozusagen grafisch mitzumoderieren. Die Visualisierung wird als Impuls wieder in die Runde gegeben.

Anlässe für den Einsatz von Graphic Recording

Viele Pharmaunternehmen holen sich eine:n Graphic Recorder oder Visual Facilitator ins Haus. Das Ziel dahinter ist es, beispielsweise Live-Events wie Medizinkongresse, Außendiensttagungen oder Pressekonferenzen visuell zu unterstützen. Visual Facilitation eignet sich dabei nur für Veranstaltungen, die aktiv durch die Visualisierungsarbeit mitgestaltet werden sollen.

Insbesondere Graphic Recording wird auch digital häufig eingesetzt. Gerade in den vergangenen Jahren nutzte die Gesundheitsbranche die bildliche Kommunikation verstärkt virtuell. Anlässe sind virtuelle Experten-Roundtables, Patienten-Advisory Boards oder Online-Workshops – etwa für den Außendienst.

Graphic Recording erlebt derzeit einen Aufschwung – auch in der Pharmabranche. © Katherina Büttner/fromdusttilldrawn
Graphic Recording erlebt derzeit einen Aufschwung – auch in der Pharmabranche. © Katherina Büttner/fromdusttilldrawn

Warum nutzen viele Pharmaunternehmen Graphic Recording?

Wer kennt das nicht? Auf Fortbildungen schreibt man unglaublich viel mit, bekommt abschließend noch einen dicken Seminarordner mit auf den Weg. Aber: Reinschauen tun die wenigsten. Nachhaltig sind viele Tagungen oder Seminare daher kaum.

In Bildern liegt hingegen sehr viel Kraft. Ein Bild bleibt im Kopf und wirkt meist noch lange nach der Veranstaltung nach. Das ist gerade in Zeiten flutwellenartiger Informationen ein großer Pluspunkt. Pharmaunternehmen nutzen also die Möglichkeit, durch visuelles Storytelling Inhalte längerfristig zu verankern.

Vor allem dann, wenn es sich um komplexe Zusammenhänge handelt, kann ein Graphic Recording Klarheit verschaffen. Etwa bei spezifischen Wirkmechanismen oder der Interpretation klinischer Daten können Bilder für ein gemeinsames Verständnis sorgen.

Graphic Recording schafft Aufmerksamkeit

Hinzu kommt die große Wirkkraft im Social Web. Auf Instagram, LinkedIn, Facebook und Co. versprechen Bilder eine größere Aufmerksamkeit als ein komplexer Text. Bei einer starken Visualisierung scrollt man nicht schnell weiter. Man schaut sie sich an, versucht zu verstehen, prägt sie sich ein. Ein Graphic Recording können Pharmaunternehmen ohne großen Aufwand teilen. Auch dem Newsletter, der Powerpoint-Präsentation oder dem Messestand verschafft ein aussagekräftiges Bild meist mehr Awareness. Ein Graphic Recording lässt sich etwa auf einem Medizinkongress großflächig und aufmerksamkeitsstark für alle Messebesucher:innnen platzieren.

In einem langen Vortrag können Unternehmen darüber hinaus mit einer Visualisierung für einen abwechslungsreichen Medienmix sorgen und die Aufmerksamkeit des Publikums hochhalten. Der Wechsel zwischen Vortrag, Powerpoint-Präsentation und prägnanten Bildern hilft vor allem bei digitalen Veranstaltungen. Teilnehmende lassen sich so häufig besser bis zum Ende mitnehmen. Denn: In digitalen Settings ist die Aufmerksamkeit begrenzt. Die visuelle Wiederholung von Informationen erleichtert es dem Publikum, „dranzubleiben“.

Sketch Notes Pharma
© Katherina Büttner/fromdusttilldrawn

Graphic Recordings können auch als Gedankenstütze sinnvoll sein. Etwa auf Pressekonferenzen oder Außendiensttagungen können die grafischen Mitschriften als nachhaltiges Give-away dienen.
Vorteile eines Graphic Recordings gibt es also viele. Allerdings sollten Pharmaunternehmen auch einige Dinge beachten, wenn die visuelle Unterstützung zum Erfolg führen soll.

Die Vorteile von Graphic Recording auf einen Blick:
• macht komplexe Sachverhalte leichter „verdaulich“
• kann das gemeinsame Verständnis verbessern
• prägt sich ein
• große Wirkkraft im Social Web
• die niederschwellige Verbreitung schafft Reichweite
• Medienmix erhöht die Aufmerksamkeit beim Publikum
sorgt als einprägsame Gedankenstütze für mehr Nachhaltigkeit

Worauf sollte Pharma bei Visualisierungsmethoden achten?

Klar ist: Die Inhalte von Fortbildungen, Veranstaltungen zur Patienteninformation oder Kongressen in der Pharmabranche sind meist komplex. Besonders wichtig ist daher die Qualität des Graphic Recordings und die Branchenerfahrung des visuellen Übersetzers bzw. Übersetzerin. Denn: Es muss schnell gehen, die Visualisierung auf den Punkt sein. Auf folgende Kriterien sollten Pharmaunternehmen im Vorfeld achten:

Branchenkenntnis: Langjährige Berufserfahrung in der Healthcare-Branche ist in jedem Fall ein großer Pluspunkt, wenn nicht gar ein Muss. Um komplexe Sachverhalte bildlich darzustellen, sollte ein Graphic Recorder die Gesundheitsbranche und ihre Player kennen.
Zielgruppenverständnis: Ein guter Graphic Recorder kann sich in die Sprache der Zielgruppe hineinversetzen – ganz gleich, ob es sich dabei um Patient:innen, Ärzt:innen, Außendienstmitarbeitende oder Journalist:innen handelt. Dazu gehört auch ein fach- und unternehmensbezogenes bildliches Fachvokabular. Beispielsweise kann der Begriff „Lebensqualität“ je nach Zielgruppe und Therapieform eine komplett unterschiedliche Bedeutung haben.
Sprachkenntnisse: Selbstredend muss eine visuelle Übersetzerin, die einen englischsprachigen Workshop begleitet, die Sprache auch beherrschen.
Gute Auffassungsgabe: Graphic Recording erfordert Multitasking-Fähigkeiten. Zuhören, Informationen clustern und in Echtzeit zu Bild bringen, ist nicht einfach. Eine gute Auffassungsgabe ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Prozessbegleitung.
Das How-to festlegen: Bildliche Darstellungen sind heute in unterschiedlichster Form möglich. Auf dem Tablet, auf Leinwand, Schaumstoffplatten, Metaplanwänden oder per Kreidezeichnung auf dem Boden. Pharmaunternehmen können hier kreativ werden und einen hohen Erinnerungswert schaffen. Natürlich müssen Raum, Setting und Graphic Recorder für die ausgewählte Darstellungsform geeignet sein.

Fazit: Gründe für den Einsatz von Graphic Recording in der Pharmabranche

Visualisierungsmethoden werden auch in der Pharmabranche immer beliebter. Während Graphic Recording eher der bildlichen Prozessdokumentation dient, greift Visual Facilitation aktiv in den Prozess ein. Vor allem die Kunst des Graphic Recording setzen Pharmaunternehmen vielerorts auch digital an. Denn aufmerksamkeitsstarke Bilder sind publikumswirksam, prägen sich nachhaltig ein, sorgen für ein besseres Verständnis und lassen sich gut via Social Media oder Newsletter teilen. Sie fungieren als Gedankenstütze und Eyecatcher und machen Veranstaltungen über einen abwechslungsreichen Medienmix kurzweiliger.

Freie Journalistin aus Köln. Für Health Relations berichtet sie über Trends der Pharma- und Klinikbranche und über die Corporate News des Deutschen Ärzteverlages.

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