Who’s who – Markus Hardenbicker: „Die Dekade des Patienten ist eingeläutet!“

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Markus Hardenbicker, Janssen, im Whos's who-Porträt auf Health Relations
Markus Hardenbicker, Leiter Unternehmenskommunikation & Public Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung bei Janssen Deutschland © PR

“Wir müssen jetzt die Medizin von Morgen denken”, sagt Markus Hardenbicker, Leiter der Unternehmenskommunikation & Public Affairs und Mitglied der deutschen Geschäftsleitung bei Janssen. In unserer Who’s who-Reihe stellen wir Ihnen den 49-Jährigen und seine Ideen vor.

Branchenerfahrung hat Markus Hardenbicker reichlich: Seit rund 19 Jahren ist er für die forschende Pharmaindustrie tätig. Seit September 2018 verantwortet er die Kommunikations- und Markenstrategien von Janssen Deutschland und ist zudem Mitglied der Geschäftsleitung. Ein Job, der alles andere als langweilig ist.

Im Grunde geht es darum, heute die Weichen für die Zukunft der Gesundheitsbranche zu stellen. Kleiner Satz, große Aufgabe, in der die Kommunikation einer der maßgeblichen Hebel ist. „Die forschende Pharmaindustrie muss sich im Kern neu erfinden“, sagt Markus Hardenbicker. „Davon bin ich überzeugt.“ Die Branche entwickle sich vom ehemaligen „Pillenhersteller“ zum Serviceanbieter rund um die auf den Patienten zugeschnittene Therapie. „Die Dekade des Patienten ist eingeläutet“,  sagt der Kommunikationsfachmann. Man müsse dem Patienten alle Mittel an die Hand geben, die er braucht, um gesund zu werden oder noch besser: Gar nicht erst krank zu werden. Stichwort Disease Interception (wir berichteten). „Und wer weiß es besser als der Patient selbst, was er begleitend zur Therapie benötigt? Es ist wichtig, auf Augenhöhe als Partner im Gesundheitssystem wahrgenommen zu werden. Es wird viel über Patient Centricity gesprochen: Jetzt ist die Zeit, nicht nur über den Patienten, sondern mit ihm zu sprechen.“

Janssen sucht Dialog mit allen Stakeholdern

Der Patient, davon ist Markus Hardenbicker überzeugt, wird eine immer größere Rolle im Gesundheitssystem einnehmen. Aber auch die anderen Stakeholder gilt es, dafür mit ins Boot zu holen. „Wir sind in einem ganz neuen Zeitalter von Medizin. Und wir müssen alle mitnehmen, um zu verstehen, was möglich ist.“


3 Fragen, 3 Antworten. Unsere Entscheidungsfragen

Lesen: Analog oder digital? Tageszeitungen digital, Sonntagszeitungen gerne analog
Genuss: Kaffee oder Tee? Kaffee. Viel.
Sonntags: Ausschlafen oder früh aufstehen? Beides. Wenn am Sonntag Programm mit der Familie ist, habe ich kein Problem damit, auch früh aufstehen.


Das ist unter anderem die Aufgabe, der er und sein zwölfköpfiges Team sich widmen. Die sogenannte 360-Grad-Kommunikation bezieht alle Player der Gesundheitsbranche ein, fordert zum Dialog auf und will Visionen realisierbar machen. Das Janssen Open House beispielsweise ist eine Veranstaltungsreihe, die genau diesen Prozess anstoßen möchte. Aber auch der Austausch mit Bloggern in Form von Workshops zahlt auf die kommunikative Strategie ein.

Kommunikation heißt auch Zuhören

Austausch bedeutet neben dem Senden von Botschaften auch, auf Empfang zu bleiben. „In der Kommunikation waren wir lange im Push-Modus“, sagt Markus Hardenbicker.  „Ich bin überzeugt: Kommunikation bedeutet im ersten Schritt: Zuhören!“

Das gilt für den Dialog mit besagten Stakeholdern, aber auch für den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Janssen hat 2019 viel auf die Beine gestellt, um sich als Unternehmen agiler aufzustellen und die Belegschaft auf diesem Weg einbezogen, um das richtige Mindset zu verankern. In der Kampagne „Ein Ja kann“ beispielsweise erläutern Mitarbeiter ihre Haltung und Motivation, fungieren als Ambassadore, transportieren den Janssen-Spirit. Ein wichtiger Meilenstein, aber nicht das Ende des Weges, wie er zugibt. „Wir arbeiten daran, auch in der Kommunikation wesentlich schneller und effektiver zu sein. Aber das Heilmittelwerbegesetz schafft einen starken Rahmen, der in Social Media auch lähmen kann. Wir können nicht so schnell auf Posts und Nachrichten reagieren, wie die User es eigentlich gewohnt sind. Da sind wir dran.“

Pharmakommunikation: Ein Geschäft mit Change-Potential

Viele Baustellen in einem mitunter nicht leichten Change-Management-Prozess. Diesen kommunikativ mitzugestalten, ist herausfordernd. Denn das Image der Pharmaindustrie ist nicht immer positiv. Genau das motiviert Markus Hardenbicker. „Die Pharmabranche hat oftmals ein negatives Image, das nicht begründet ist. Es handelt sich hier um moderne Unternehmen, wir stehen in Sachen Regulierung und Ethik weit vor anderen Industrien. In den letzten Jahren haben wir hier einen Standard geschaffen, der seinesgleichen sucht.“ Er nennt seine Aufgabe eine bereichernde, weil Pharmaunternehmen Leben retten und Sozialsysteme verändern könnten. „Nehmen wir als Beispiel die Diagnose HIV. 1984 wusste keiner etwas über diese tödliche Indikation, heute ist sie als chronische Krankheit behandelbar.“ Dieser Impact war es wohl, der den Germanisten schon früh in die Healthcare-Branche führte, erst auf Agenturseite (wbpr München, newswerk PR) unter anderem als Leiter der Healthcare-Unit, ab 2009 auf Corporate-Seite (GlaxoSmithKline).

Jemand wie Markus Hardenbicker muss in seinem Job einiges aushalten. Auch emotional, denn am Ende geht es in der Berichterstattung eben oftmals um Leben und Tod. Wen lässt das schon kalt. „Ich habe auch in meinem persönlichen Umfeld bereits erlebt, wie es ist, wenn es für Indikationen noch nichts an medizinischer Hilfe gibt. Das ist furchtbar. Aber ich habe Einblick in die Branche. Ich kann das einschätzen und weiß, was wir schon alles erreicht haben.“ Positiv denken, die Medizin von Morgen vorbereiten. Oder kurz mit seinen eigenen Worten zusammengefasst: „Ich weiß, wofür ich hier arbeite.“

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