So will Bayer nachhaltig werden

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© VectorMine / Adobe Stock

Bayer hat sich dem Nachhaltigkeitsprojekt „Sustainable Commerce“ von Wunderman Thompson und Vaayu angeschlossen.  Damit wendet sich ein weiterer großer Pharmakonzern bewusst weiter der Nachhaltigkeit zu.

Nachhaltigkeit ist in den Chefetagen der Pharmaunternehmen angekommen. Immer mehr Firmen befassen sich damit und leiten Maßnahmen ein, um ihren CO₂-Abdruck zu verringern. Dazu müssen sich vor allem ihre Produtktionsketten anschauen und überlegen, wie sie diese optimieren können. Die Herausforderung: Zunächst müssen erst einmal Daten erhoben werden, um diese im Anschluss analysieren zu können. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn die Datenerhebung und spätere Analyse sind mit einem großen Aufwand verbunden.

Genau hier setzt das Leverkusener Life-Sciences-Unternehmen Bayer mit seinem Beitritt zum Pilotprojekt von Wunderman Thompson Commerce und Vaayu an. Vaayu ist die weltweit erste Software zur Verfolgung des CO₂-Ausstoßes. Das passiert, indem Vaayu bietet dazu Zugang zu automatisierten Echtzeitdaten, die Auskunft über die jeweiligen Emissionen einer Firma geben. Durch das Bereitstellen von Daten durch Bayer kann Vaayu den CO₂-Fußabdruck mithilfe seiner proprietären Datenbank mit mehr als 600.000 Datenpunkten genau berechnen.

Was sind Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen?

Scope 1 – direkte Emissionen

Scope-1-Emissionen sind Emissionen, deren Ursache direkt bei einem Unternehmen liegen oder von ihm kontrolliert werden. Dazu gehören etwa Emissionen aus Energieträgern am Firmen-Standort, wie Erdgas und Brennstoffe, Kühlmittel, sowie Emissionen durch den Betrieb von Heizkesseln und Öfen, die vom Unternehmen verantwortet oder kontrolliert werden. Unter Scope 1 fallen auch Emissionen des eigenen Fuhrparks (z. B. Autos, Lieferwagen, Lkw, Helikopter für Krankenhäuser).

Scope 2 – indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie

Scope 2-Emissionen gehören zu einer der größten Quellen der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Zu dieser Art Emissionen werden indirekte Treibhausgas-Emissionen aus eingekaufter Energie, wie Strom, Wasserdampf, Fernwärme oder -kälte, die außerhalb des Unternehmens erzeugt, aber vom Unternehmen selbst verbraucht werden.

Scope 3 – indirekte Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette

Unter Scope 3 fasst man alle indirekten Emissionen zusammen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen.  Für eine eindeutige Unterscheidung zwischen  Scope 2 und Scope 3, beschreibt die US Enviromental Protection Agency (EPA) Scope 3-Emissionen als „das Ergebnis von Aktivitäten aus Anlagen, die nicht im Besitz Ihres Unternehmens sind oder von ihm kontrolliert werden, aber Ihr Unternehmen diese Aktivitäten innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette unmittelbar beeinflusst.“

„Geplant ist, dass der Unternehmensbereich Bayer Consumer Health als erster das Programm Sustainable Commerce testet, um CO₂-Emissionen von Aktivitäten im digitalen Handel zu messen und zu reduzieren“, so eine Pressesprecherin von Bayer. Sie fährt fort: „Durch die Automatisierung der Berechnungen des CO₂-Fußabdrucks von Bayer in drei Schlüsselbereichen des Handels, einschließlich Produkt, Verpackung und Lieferung, hilft Vaayu bei der Identifizierung von CO₂-Hotspots und liefert Reduzierungsszenarien, die greifbare Maßnahmen ermöglichen. Der Pilot läuft derzeit noch und soll als Grundlage dienen, das Thema nachhaltige Entwicklung im digitalen Handel auch in anderen Märkten anzugehen. “

Orientierung an Pariser Abkommen

Das Life-Science-Unternehmen gibt an, die Treibhausgasemissionen im eignen Unternehmen sowie entlang der gesamten Wertschöpfungskette kontinuierlich vermindern zu wollen. So sollen die Scope 1- und Scope 2-Emissionen bis Ende 2029 im Vergleich zum Basisjahr 2019 um 42 Prozent reduziert werden. Dieses Ziel entlang eines 1,5°C-Pfades wurde von der Initiative „Science Based Target“ geprüft und anerkannt. Dabei helfen sollen verschiedene Maßnahmen, wie effizientere Lüftungssysteme nach innen und außen, eine Umstellung auf klimaneutrale Technologien wie Geothermie zum Heizen und Kühlen und eine Umstellung auf zu 100 Prozent eingekauften Strom aus erneuerbaren Quellen.

Darüber hinaus hat sich Bayer zum Ziel gesetzt, bis 2030  die eigenen Standorte klimaneutral zu stellen. Die verbleibenden Emissionen werden durch den Kauf von Zertifikaten aus Klimaschutzprojekten mit anerkannten Qualitätsstandards kompensiert. Weiterhin ist geplant, in innovative Projekte zu investieren, um die Entwicklung der freiwilligen Kohlenstoffmärkte zu fördern.

Science Targets Initiative (SBTi)t
Bayer ist auch Mitglied der Science Based Targets Initiative (SBTi). SBTi entwickelt stetig ein Rahmenwerk, das definiert, wie wissenschaftlich fundierte CO2-Reduktionsziele für Unternehmen aussehen. Mit diesen Science-Based Targets soll sichergestellt werden, dass sich die Unternehmen auf dem Weg hin zum minimalen CO2-Ausstoß und schlussendlich dem Net-Zero Zustand befinden. Leitidee des Standards ist es, unternehmerische Klimaziele im Einklang mit dem wissenschaftlichen Kenntnisstand – zur immer fortschreitenden globalen Erderwärmung – zu bringen.

Die Initiative wurde von CDP, dem UN Global Compact, dem World Resources Institute (WRI) und dem World Wide Fund For Nature (WWF) gegründet. Mehr als 1.000 Unternehmen haben sich verpflichtet, sich aktiv der Herausforderung des Klimawandels zu stellen und eindeutige Ziele für die Reduzierung ihrer Emissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen festzulegen.

Nachhaltigkeit von unterschiedlichen Seiten angehen

Bayer geht sein Engagement für Nachhaltigkeit auf unterschiedlichen Ebenen an. Es erstreckt sich auf verschiedene Initiativen und einzelne Marken. So setzt sich beispielsweise die Marke Iberogast für die Forschung zum Thema Biodiversität ein. Außerdem kooperiert sie mit der Plastic Bank, einer Organisation, die dafür sorgt, dass nicht mehr so viel Plastik ins Meer gelangt. Aber auch in übergreifenden Projekten der Division Consumer Health in Deutschland nimmt sich das Unternehmen des Themas an.

Mit „Green Steps by Bayer“ soll Nachhaltigkeit auch in die Praxis, in diesem Fall in die stationären Apotheken, übertragen werden.  Dazu bietet das Unternehmen für Apotheken sofort die Möglichkeit, die bisherigen, unterschiedlichen HV-Papierdisplays für die einzelnen OTC-Marken durch ein modulares Dauerdisplay zu ersetzen. Der langfristige Einsatz eines immer wieder neu bestückbaren Displays ermöglicht die Einsparung von wichtigen Ressourcen wie Papier und Plastik.

Fazit

Wie viele andere Pharmakonzerne auch hat Bayer das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt. Dabei geht es nicht nur darum, nach außen eine gute Imagepflege zu betreiben, weil die Zielgruppe diese Art Engagement inzwischen von den Unternehmen erwartet. Die Konzerne haben erkannt, dass sie zunächst investieren müssen, um langfristig Ressourcen zu sparen und tragende Business-Modelle zu entwickeln. Aus diesem Grund gehen Firmen wie Bayer das Thema auf verschiedenen Ebenen an und stellen sich in Sachen Nachhaltigkeit möglichst breit auf.

Freie Journalistin im Medizin- und Gesundheitsjournalismus. Für Health Relations berichtet sie über digitale Entwicklungen, Marketing und die neuesten Trends in der Pharmabranche.

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