Pharma-Ausblick 2019: Das sind die großen Themen

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Fernglas Mann Ausblick
© ra2studio / iStock

2018 war für Pharma ein herausforderndes Jahr. Das wird sich nicht ändern. Unser Pharma-Ausblick 2019: Mehr Geschwindigkeit, radikales Change Management und maximale Vernetzung.

DSGVO und Digitalisierung: Das sind die zwei großen Themen, die die Pharma-Branche 2018 bewegten. Erstere stellte im Kern vor allem eine intensive Fleißarbeit dar. Die Digitalisierung aber fordert ein radikales Change Management auf vielen Ebenen, das die Unternehmen auch im kommenden Jahr beschäftigen wird.

Pharma-Ausblick: Diese 9 Trends prägen 2019

  1. Sprachassistenten werden immer relevanter: 2019 werden Alexa & Co ihren Siegeszug fortsetzen. Für Pharma bieten diese Tools großes Potential. „Mit Hilfe des Sprachassistenten kann der Arzt zum Beispiel die für ihn relevanten Fragen zu Leitlinien stellen und erhält die korrekten Antworten, ohne sich durch Unmengen weiterer Seiten wühlen zu müssen“, erläutert Thilo Kölzer, CEO bei antwerpes. 2020 sollen bereits 30 Prozent aller Suchanfragen via Voice funktionieren. sein. Experten gehen sogar davon aus, dass Tastaturen in etwa 15 Jahren ganz von der Bildfläche verschwunden sein.
  2. Branchenübergreifende Vernetzung: 2019 wird Pharma sich weiter branchenübergreifend vernetzen. Partnerschaften und Kooperationen ermöglichen das Agieren außerhalb der eigenen Blase, schaffen Innovationen und Impulse. Neuartige Wissenschaft und Technologie können durch sie schneller getestet, deren Auswirkungen in der Behandlung und auf die Praxis rascher verstanden und erlernt werden.
  3. Radikale Reorganisation: Die Reorganisation interner und externer Strukturen basiert nicht nur auf wirtschaftlichen Gründen. Sie soll vor allem ein Ökosystem schaffen, in dem neue Impulse freigesetzt werden. Hierfür werden abteilungsübergreifende und internationale Teams implementiert, die Innovationen aus Patientensicht erdenken und agil miteinander arbeiten.
  4. Data Intelligence: 2019 markiert einen massiven Change of Mind für Pharma. In Zukunft wird es nicht mehr wichtig sein, wie ein Medikament funktioniert, sondern für wen. Pharma schafft neue Schlüsselpositionen im Segment Data Intelligence, um Daten effizient und zielorientiert auslesen zu können.
  5. War of Talents: Im Zuge der Reorganisation und digitalen Transformation werden Pharma-Unternehmen international Talente identifizieren und rekrutieren.
  6. Werte und Normen: Innovationen, neue Technologien und eine Gesundheitsbranche im Wandel: Pharma wird 2019 neuen Diskussionen über Werte und Normvorstellungen gegenüberstehen. Welchen Preis dürfen Innovationen haben? Und wer zahlt diese?
  7. Steigender Druck für HCPs: Ärzte stehen 2019 stark unter Druck. Immer mehr Innovationen und Informationen sind verfügbar, und noch nie war die Zeit im Berufsalltag von HCPs so knapp wie jetzt. Daraus resultiert der Wunsch nach schnellen, effizienten Tools und Serviceangeboten. Das holt auch neue Player auf den Markt: Amazon steigt in den Medikamentenhandel ein und bedient die Bedürfnisse des Arztes mit gelernten Bestellmechanismen. Pharma wird sich 2019 mit der Amazonisierung der Branche auseinandersetzen müssen.
  8. Neue gesetzliche Regelungen: Im Vergleich zu den vorhergehenden Themen nahezu simpel, dennoch relevant: Anfang 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Pharmagroßhändler müssen sich bei  der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) in Osnabrück registrieren und jährlich eine Vollständigkeitserklärung vorlegen, in der sämtliche erstmalig in Verkehr gebrachten Verkaufs- und Umverpackungen aufgelistet sind.
  9. Außerdem treten am 9. Februar die neuen Fälschungsrichtlinien für Medikamente in Kraft. Pharmaunternehmen dürfen RX-Arzneimittel nur noch mit zwei neuen Sicherheitsmerkmalen auf der Verpackung vertreiben: Mit einer individuellen Seriennummer und einem Siegel, an dem erkennbar ist, ob die Verpackung unversehrt ist. Dazu gehört als individuelles Erkennungsmerkmal ein Barcode, der sogenannte Data-Matrix-Code, den Apotheker bei der Abgabe der Medikamente scannen. Dafür müssen bis spätestens 2019 alle deutschen Apotheken über einen 2D Barcode Scanner verfügen.

2018 war das Jahr der Vorbereitung und Weichenstellung

Porträt Florian Hunger-Reichardt, Director Digital Transformation bei MSD, über den Pharma-Ausblick 2019
Florian Hunger-Reichardt, Director Digital Transformation, External Affairs und Digital Transformation bei MSD. Foto: MSD

Neue Tools, neue Strukturen, neue Kooperationen: Der steigende Druck, ausgelöst durch die digitale Transformation, war in den vergangenen Monaten deutlich spürbar und sorgte für Bewegung. Stichwort Bewegung: Genau hier hakt es in der Branche. Bei der Geschwindigkeit. „Wir sind ein großer Tanker. Für uns ist es wichtig, zu lernen, mit der Geschwindigkeit der Welt da draußen mithalten zu können“, sagt Florian Hunger-Reichardt. Seit einem Jahr ist Hunger als Director Digital Transformation im Bereich External Affairs und Digital Transformation für MSD Sharp & Dohme tätig. „Es geht um das Thema Acceleration. Das Ziel ist Beschleunigung. Beispiel: So können wir es uns etwa nicht mehr leisten, eine Kampagne ein Jahr zu planen – um festzustellen, dass die Welt da draußen sich längst weiter gedreht hat.“ Ähnlich formuliert es Dr. Klaus Weber, Director Business Excellence und Mitglied der Geschäftsleitung von Janssen Deutschland.  „Die Digitalisierung (…)  fordert uns heraus, agiler zu entscheiden und zu handeln, um den Anforderungen unserer Kunden und Partner noch besser gerecht zu werden.“

Sowohl Janssen als auch MSD Sharp & Dohme setzen auf das Aufbrechen des Silo-Denkens und auf interdisziplinäre Teams, um dieses Ziel zu erreichen. Entscheidungswege müssen kürzer, Prozesse beschleunigt werden. Neue Technologien ermöglichen die 24/7-Kommunikation. Genau diese Punkte finden sich im Pharma-Ausblick 2019 wieder.

Ziel für 2019: Raus aus dem Experimentierstadium

Dirk Poschenrieder Havas Life über den Pharma-Ausblick 2019
Dirk Poschenrieder, Managing Director von Havas Life Düsseldorf. Foto: Poschenrieder

„Die Prozesse und die Organisation der meisten Pharmakonzerne sind nicht auf Digitales Marketing im Jahre 2018 ausgerichtet! Prozesse und Abläufe müssen neu gedacht werden. Strukturen müssen verändert werden“, erklärte Dirk Poschenrieder, Managing Director von Havas Life Düsseldorf auf Health Realtions. Was meist fehlt, ist ein Konzept für eine integrierte Omnichannel-Strategie, die die Segmentierung in On- und Offline-Maßnahmen auflöst. Eine Meinung, die Sandra Bunke-Kölblin, Marketingleitung beim Joint Venture Dr. Kade / Besins, teilt.  „Unser Unternehmen war in der Vergangenheit bereits gut aufgestellt, aber es fehlte die integrierte Kommunikation.“ 2018 war für sie vor allem von der Implementierung technischer Tools geprägt. „Wir installierten ein Kampagnensystem (…). Und wir entwickelten Redaktionspläne, die wir als Jahrespläne pro Indikation, Kanal und Customer Journey anlegten.“ 2019 wird Bunke-Kölblin ihr Team zusätzlich im Bereich Data Intelligence verstärken. Daten sind eben das neue Gold der Branche. Diejenigen, die wissen, wie sie dieses Gold anlegen können, haben ausgesorgt. Sie sind die Talente, um die in Zukunft nahezu jedes Pharma-Unternehmen werben wird.

Journalistin und Online-Redakteurin. Schreibt über Marken und Markenmacher, über Pharma- und Social-Media-Kommunikation, Digitialiserung, Influencer-Marketing & Clinic Recruiting.

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1 KOMMENTAR

  1. Danke für diese Zusammenstellung, die eine sehr gute Orientierungshilfe darstellt. Zu Punkt 3. „Radikale Reorganisation“ möchte ich das Thema „Co-Creation“ ergänzen. Die Zusammenarbeit und Kollaboration mit bestimmten Stakeholdern (Ärzten, weiteren HCPs, Patienten, Angehörigen) wird immer entscheidender und setzt einen radikalen Mindset-Shift voraus. Spannende Zeiten…

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