Who’s who | Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader – ein Quer- und Vordenker

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Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader im Business-Porträt auf Health Relations
Einmal im Jahr fliegt Prof. Dr. Dr. Dr. Sader für zwei Wochen nach Nicaragua, um dort Babys und Kids umsonst zu operieren. © Julia Honigmann, Basel

Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader hat sich die  Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main zu einem der führenden Kompetenzzentren Europas im Bereich der Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten entwickelt. Das Business-Porträt über den Vor- und Querdenker.

„Es  macht mir Spaß, innerhalb eines Teams zu arbeiten und es zu koordinieren“, sagt  Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader. „Ich war als Jungstudent für Geige jahrelang als Konzertmeister in einem großen Orchester tätig.“ Seit 2004 spielt der 59-Jährige als Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main ganz vorne mit. Unter seiner Leitung hat sich seine Klinik zu einem der führenden Kompetenzzentren Europas im Bereich der Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten entwickelt. Dabei ist ihm zweierlei besonders wichtig: Zum einen der interdisziplinäre Ansatz, die Zusammenarbeit mit benachbarten Disziplinen wie der HNO-Heilkunde, der Kieferorthopädie, aber auch  mit der Logopädie oder der Klinischen Linguistik. „Gerade in der Universitätsmedizin geht es darum, komplexe Krankheitsbilder zu behandeln, die über den Kompetenzbereich des Einzelnen hinausgehen. Zum Wohle des Patienten brauchen wir dann mehrere Fachdisziplinen im Boot. In diesem Bereich sind wir an der Klinik wirklich erfolgreich.“

„Es sollte allen Mitarbeitern möglichst gut gehen. Perfekt ist es aber nie. Aber das ist im Leben generell so.“

Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. ©Universitätsklinikum Frankfurt

Zum anderen liegt ihm das Thema Mitarbeiterzufriedenheit sehr am Herzen. „Es sollte allen Mitarbeitern möglichst gut gehen. Perfekt ist es aber nie. Aber das ist im Leben generell so. Dennoch bemühen wir uns sehr, die Bedingungen für alle Mitarbeiter optimal zu gestalten.“ Der Schlüssel zum Mitarbeiterglück sei eine Kommunikation auf Augenhöhe. Vertikal wie horizontal. Der Halbgott in  Weiß, der sei längst Geschichte. „Familienfreundliche Arbeitsmodelle sind jetzt wichtig, die Akzeptanz der Tatsache, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine eigene Work-Life-Balance haben. Über ein Drittel meiner Mitarbeiter sind Frauen“, sagt Robert Sader und sieht sich hier in seinem  Führungsstil bestätigt. „Für ein chirurgisches Fach ist das eine ungewöhnlich hohe Zahl, da die Begleitumstände in diesem Bereich wenig flexibel sind, was für Mütter oft wenig vorteilhaft ist. Aber das muss man hinkriegen.“

Unser Sixpack: 6 Fragen, 6 Antworten
Zahnbürste: Elektrisch oder manuell? Ich wechsele ab.
Kaffee oder Tee? Kaffee
Sicherheit oder Risiko? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Jede OP ist ein Risiko
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Schreibtisch: Aufgeräumt oder Chaosstrategie? Aufgeräumt.
Lesen: Fachliteratur oder Roman? Zum Lesen komme ich nur im Urlaub. Dann Roman und gesammelte Bücher.
Urlaub: Daheim oder raus in die Welt? Raus in die Welt. Ich bin niemand, der lange am Strand liegt. Ich möchte etwas sehen, gerne was Neues. Unsere Welt ist so schön, so prickelnd. Nur in diesem Jahr werden wir (seine Frau und drei Kinder, Anm. der Redaktion) daheim blieben. Als Kontrapunkt zu all dem, was jetzt passiert ist, tut das sicherlich gut.

Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader ist ehrgeizig und schaut gerne über den Tellerrand hinaus. Das sieht man auch seiner Vita an. Er hat Medizin in Düsseldorf und Wien und Zahnmedizin in Bonn und Köln studiert, bevor es ihn nach seiner Facharztausbildung und Habilitation in München Anfang der 2000er in die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsspital Basel und schließlich nach Frankfurt zog. In seinem Fachgebiet fühlt er sich mehr als Zuhause. „Schon als Medizinstudent war mir klar, dass ich etwas Handwerkliches, kreatives Chirurgisches machen wollte. Gleichzeitig habe ich Philosophie studiert. Mir war es immer wichtig, mit dem Patienten zu interagieren. Ich probierte mich erst in der Neurochirurgie aus, aber hier bleiben nach den Eingriffen oft Defekte zurück.  Ich promovierte in der  Herzchirurgie, hier aber fehlt das Kreative. Als ich durch das praktische Jahr in die  MKG hineinrutschte, wusste ich sofort: Das ist mein Fach. Man muss sich mit dem Patienten psychologisch beschäftigen, kann kreativ und rekonstruktiv arbeiten.“

„Zur Medizin ist die Schönheitschirurgie hinzugekommen“

Robert Sader blieb dem Bereich treu. Heute ist er einer der Key Opinion Leader in der Zahnmedizin und -chirurgie.  Unter anderem agiert er als Vorstand in der Oral Reconstruction Foundation und ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin e.V. (DGÄZ). Er gestaltet den Wandel in der Zahnmedizin aktiv mit. Denn, dass diese sich wandelt, ist unumstritten. „Früher ging es nur darum, Krankheiten zu heilen. Aber in unserer Gesellschaft kommt immer mehr auch der Wellnessgedanke zum Tragen. Es geht um das Wohlgefühl des Patienten, und das hat auch etwas mit Ästhetik zu tun. Zur Medizin ist die Schönheitschirurgie hinzugekommen.  Die Zahnmedizin kommt immer mit Zeitverzögerung hinter dem großen Bruder hinterher. Hier sehen wir dieselbe Entwicklung.“ Diese Entwicklung sei spannend und gefährlich zugleich. „Die DGÄZ und ich als Präsident stehen dazu, dass Ästhetik und Funktion eng zusammenhängen. Beispiel: Dysgnathien werden operativ behandelt, weil das auch eine Verbesserung der Funktion von Ober- und Unterkiefer zur Folge hat. Damit verändere ich aber auch das Erscheinungsbild des Patienten. Kurz: Heilmedizin wird durch einen  kundenorientierten Bereich ergänzt, manchmal aber überschneiden sich diese Bereiche auch automatisch.“ Auch der digitale Wandel beschäftigt die Branche. Corona hat  hier kräftig aufs Gaspedal getreten. „Es ist gut, dass wir gelernt haben, digitale Möglichkeiten in der Kommunikation aktiv zu nutzen. Aber wir erfahren auch ihre Grenzen. Kreative Prozesse oder problemlösende Diskussionen digital abzubilden, ist schwierig.  Gleiches gilt für die Lehre. Die Intensität eines engagierten Lehrers kommt digital schwer rüber. Ich erwarte schon, dass der Anteil von digitaler Lehre und Kommunikation in  der Zahnmedizin steigen wird, aber er wird sich bei maximal 30 Prozent einpendeln.“

„Ich habe inzwischen gelernt, dass die Welt so funktioniert. Man ist ein Rädchen im großen Getriebe.“

Als KOL ist man Katalysator, Vordenker. Robert Sader denkt gerne quer. Manchmal zu quer für seine Zeit. Schon Anfang der 90er Jahre experimentierte er zusammen mit Kollegen mit einem 3D-Drucker und stellte die ersten individuellen Schädelmodelle und Implantate her. Damals hätten noch alle gelacht, heute arbeiten Start-ups erfolgreich mit dieser Idee. „Am Anfang hat mich das geärgert. Ich habe aber inzwischen gelernt, dass die Welt so funktioniert. Man ist ein Rädchen im großen Getriebe.“
Seine Gelassenheit hat vielleicht auch etwas mit der Tatsache zu tun, dass er sich schon seit seinen Studienzeiten ehrenamtlich engagiert. Seit Beginn seiner klinischen Tätigkeit operierte er zunächst in Rumänen Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Seit rund 15 Jahren macht er selbiges für den Verein  Nicaplast. Einmal im Jahr fliegt er für zwei Wochen nach Nicaragua, um dort Babys und Kids umsonst zu operieren und die Kollegen vor Ort auszubilden. „Das erdet einen“, sagt er. „Ich kann jedem nur empfehlen, sich in seinem Fachbereich ehrenamtlich zu engagieren. Oder viel zu reisen und über den Tellerrand zu schauen.“

Bescheidenheit und der Anspruch der persönlichen Perfektion sind seine persönliche Leitlinie. Das gibt Robert Sader auch seinen Schülern mit auf den Weg. Perfektion heißt dabei auch, die eigene Fehlbarkeit anzuerkennen. „Alle machen Fehler. Das Fehlermanagement ist wichtig. Alle geben ihr Bestes und haben dieselbe Wertschätzung verdient.“

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